Meine Italienreise 5

Erkundungstour

Das ist der erste Tag, an dem ich in Italien aufwache, nicht ganz freiwillig, irgendwo wurde geklopft und da wir noch auf ein Laken warten, hab ich mich aus dem Bett gescheucht. War natürlich Fehlalarm, ist ja erst Sonntag, noch nicht Montag. Mensch, ich aber auch wieder.

Wunderbare 20 Grad warme Luft strömt durch mein Fenster. Der Himmel strahlend blau, die Sonne lacht, so lieben wir Deutschen bella Italia!

Die nahegelegene Kirche läutet wie wild ihre Glocken. Och, eine Sonntagsmesse, das wäre nett. Also Bluse, die die Schultern bedeckt und noch saubere Shorts angezogen, Brötchen auf die Faust und ab. Die Messe war im vollen Gang als ich ankam. Die Seitentür stand auf und ich konnte schön im Schatten raus aufs Meer gucken.

Alles viel lockerer als früher geworden: Frauen mit nackten Schultern, Männer mit kurzen Hosen, ein Handy schellt, die ältere Frau nimmt ihre Tasche, geht vor die Türe, führt dort bei geöffneter Tür ihr Gespräch und kommt hocherhobenen Hauptes wieder an ihren Platz. Und keine scheint es gestört zu haben. Wie schön.

Draußen spendet die Kirche mir weiter Schatten für einen ausgiebigen Blick aufs Meer, hellblau mit dunklen Flammen durchzogen, nach hinten immer dunkler blau, zum Teil mit weißen Schaumkronen, Boote und kleine Segelschiffe tragend. Auch große Jachten und Kreuzfahrtschiffe auf ihrem Weg in Genuas Hafen sehe ich. Und nicht zu knapp. Gestern Abend habe sechs große Kreuzfahrtschiffe in nicht mal einer Stunde gezählt. Wenn ich an die Berge von Müll denke, die solch ein Schiff schon an einem Tag produziert, wird mir bange um unsere schöne Natur und unsere Meere. An dieser Stelle hat sich ein Fehler eingeschlichen, den ich an Tag 10 erkenne.

Ich habe Sehnsucht nach Pflanzen, suche einen Park und finde ihn mit Hilfe netter älterer Jogger. Hier ist alles müde. Hunde können unbesorgt frei laufen. Sie laufen nicht weg, sie legen sich eher hin. Und wenn ihre Menschen eine zusätzliche Kehre gehen, dann warten sie einfach und kürzen ab. Wie praktische, du musst nicht laut „Hasso“ rufen oder hinterhersprinten.

Sogar die Bäume sind müde. Sie legen sich auch gerne auf die Erde. Schaut selbst:

MB-K, Parco Genova, 2022

Trotz der steigenden Wärme um die Mittagszeit – wir kommen über 30 Grad heute – genieße ich die Zeit unter den Kiefern und sitze auf einem alten Mühlstein, der sich sogar kühl anfühlt.

Nach der Kirche hatte ich mit einer alten Frau gesprochen, die aus Kolumbien vor vielen Jahren nach Italien eingewandert ist. Sie fragte mich, ob es in Deutschland kalt oder warm sei. Ich sagte ihr, dass es alle paar Tage wechselt und sie meinte, sie würde sich so wünschen, dass es kalt würde. Ich kann sie gut verstehen.

Ich erzählte ihr von meinen Kindern und so weiter und zum Abschied nennt sie mich über 50-jährige junge Hüpferin: Senorina (Fräulein). Hihi

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