Charly – wer ist das?

Alle Kinder, über die ich hier auf dieser Seite schreibe und die eine Behinderung haben, nenne ich „Charly“. Unsere Tochter mit Behinderung heißt mit zweitem Namen Charlotte. Wir dachten, es wäre eine gute Idee, falls wir sie mal Charly nennen wollen. Leider möchte sie überhaupt nicht Charly genannt werden. Nichtsdestotrotz ist es ein toller Name, geschlechtsneutral, kann also ein ‚es‘, eine ’sie‘ oder einen ‚er‘ repräsentieren. So werden alle Kinder und ihre Privatsphäre geschützt und doch könnt ihr witzige, traurige, fröhliche oder was auch immer für Details aus ihrem Leben erfahren. Und im besten Fall etwas für euer Leben daraus mitnehmen. Und sei es nur ein Schmunzeln.

Charly ist auch ein Name, der mir aus der Literatur meiner Kindheit/Jugend sehr vertraut und lieb geworden ist. Bei Karl May

[Ich weiß, ein schrecklicher Sexist und Rassist. Gleichwohl ist es ihm zu verdanken, dass für viele deutschen Personen Natives („Indianer*innen“) sehr positiv besetzt sind. Ganz im Gegenteil zu Teilen der weißen US-amerikanischen Bevölkerung, die in Natives nur alkoholsüchtige, stehlende Schmarotzer*innen sehen – erinnert mich irgendwie an die Beschreibung der Boulevardpresse von Menschen, die Hartz IV beziehen – was leider eine Seite des Lebens von Natives in den Industriestaaten darstellt, ihnen aber meiner Meinung nach nicht gerecht wird.]

Also bei Karl May nennt Winnetou seinen Geliebten „Charly“, seine Aussprache des deutsche Namens Karl. Ob Old Shatterhand auch eine Behinderung hatte? Mhm, mal überlegen, aber haben wir nicht alle irgendwo eine Behinderung? Oder besser: werden wir nicht alle behindert? (Durch gesellschaftliche Missachtung, ungerechte Gesetze, Machtmissbrauch weniger gegen über vielen, Sexismus, Rassismus, Antijudaismus, sexualisierte Gewalt, Kapitalismus, Überwachung, Modedikat, … euch fällt bestimmt noch mehr ein…)

Kommen wir zurück zu unserer*m Charly. Es ist mal zwei Monate alt, mal 17 Jahre, mal ein Grundschulkind, mal schaukelt es im Uterus seiner Mutter. Ich werde versuchen, ungefähr das Alter anzugeben, wenn ich von Charly berichte, damit ihr nicht allzu verunsichert seid. Meistens ist es nicht relevant, welche Geschlecht das reale Kind hatte, das hier den Nickname Charly trägt. Daher werde ich mit den drei Geschlechtern spielen, um Rückschlüsse erschweren. Hihi.

Manchmal ist Charly mein Kind und manchmal ein Kind, das ich kennengelernt haben. Der allgemeine Name Charly will auch dazu beitragen, dass deutlich wird, es handelt sich hier nicht um einen Erfahrungsbericht einer überforderten und gestressten Mutter, sondern um übertragbare Erfahrungen, Menschheitserfahrungen, die wir alle teilen und verstehen können.

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